Den heutigen Tag nimmt uns keiner mehr

Heute wurde gegen ACTA demonstriert. In Schweden, in Dänemark, in Großbritannien und Polen, in Griechenland und Deutschland, auf Malta und Zypern, in der Schweiz, in Italien und in vielen, vielen Ländern mehr.  ”Aufstand der Generation Internet” nennt es die FAZ und schreibt: “Die Politik bekommt es mit der Angst.” 


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Aber das Ergebnis der Demonstrationen sind nicht bloß Presseartikel und Fernsehbilder, es ist nicht nur ein vorweggenommenes Pausieren der Ratifikation von ACTA. All dies wird vergehen. Es wird ein Pseudo-Dialog mit Versicherungen und Beschwichtigungen folgen und bei einigen vielleicht ein Umdenken oder zumindest Zweifel.

Trotzdem wird man dann den falschen Weg weitergehen, Freiheiten beschneiden, Kommunikation zensieren und Informationen einsperren wollen. TRIPS steht in den Startlöchern, 2-Strikes und die Vorratsdatenspeicherung sind in Europa nicht totzukriegen, und die Angst der Mächtigen vor freier Kommunikation ist heute eher gewachsen als gesunken. ACTA ist eben nur ein Puzzleteil von vielen.

1996 schrieb John Perry Barlow in der Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace:

Regierungen der industriellen Welt, Ihr müden Giganten aus Fleisch und Stahl, ich komme aus dem Cyberspace, der neuen Heimat des Geistes. Im Namen der Zukunft bitte ich Euch, Vertreter einer vergangenen Zeit: Laßt uns in Ruhe! Ihr seid bei uns nicht willkommen. Wo wir uns versammeln, besitzt Ihr keine Macht mehr.

Doch man hat uns nicht in Ruhe gelassen, nicht wahr? Darum gibt gibt es seit heute etwas, das bleiben wird. Etwas, das über ACTA, Ärger und gute Argumente hinausgeht, etwas das viel tiefergeht, dauerhafter ist – etwas, das uns emotional berührt.

Was von heute bleibt ist die Erkenntnis, gemeinsam eine Stimme zu haben und nicht länger ohnmächtig zu sein. Nicht nur im Netz wo bereits über zwei Millionen Menschen gegen ACTA unterschieben haben, sondern auch in dieser physischen Welt, die für viel zu viele noch die einzig Existente ist. Was von heute bleibt ist die Gewissheit, nicht länger alleine zu sein. #ACTA ist zu einem Symbol jener Ausdruckskraft, Dauerhaftigkeit und Stärke geworden, wie es #jan25 für die Ägypter war und ist.

Denn heute haben wir zu einem neuen Selbstbewusstsein gefunden, zu dem unwiderruflichen Wissen, dass – ganz gleich welcher Nation, welchen Glaubens und welcher politischen Partei – wir willens und fähig sind zusammenzustehen für eine Sache, an die wir glauben. Und inzwischen sind wir ausreichend wütend, um dafür auch zu kämpfen.

Den heutigen Tag nimmt uns keiner mehr.

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