Wir Piraten wollen Politik machen. Wir machen sie anders, wir machen sie transparenter, wir machen sie authentischer und lustiger, setzen andere Akzente und Schwerpunkte und pflegen einen anderen Stil in mancherlei Dingen.
Aber, machen wir uns nichts vor: Politik bleibt Politik, auch bei den Piraten. Das hat ein paar Konsequenzen:
Zunächst: Politik dauert lange. Politik bedeutet, etwas als richtig zu erkennen und die nächsten 20 Jahre dasselbe zu erzählen, bis es sich durchsetzt. Politik ist das Bohren dicker Bretter und ja, für Internetjunkies wie mich ist das auch schwer zu ertragen. 20 Jahre. Das sind 40 Laptop-Generationen. Dabei überleben wir vermutlich 3-5 Social Networks. In 20 Jahren haben ich hoffentlich ein computergesteuertes Auto, eine Cyborg-Brille, ein Smartphone im Teraflop-Bereich und mit etwas Glück einen TCP/IP-Anschluss fürs Gehirn. 20 Jahre sind eine Ewigkeit.
Aber so ist das: Die Herausforderung beim Politik machen endet doch nicht damit, als progressive Gruppe, die alles Neue mitsamt seiner Möglichkeiten sofort assimiliert, gute Ideen zu entwickeln. Die große Herausforderung ist, all die anderen Menschen dabei mitzunehmen, ihnen das Was und das Warum zu erklären, immer wieder, bis es verfängt.
Politik bedeutet auch, Kontakte zu knüpfen und mit Menschen zu sprechen. Nicht, um konkrete politische Absprachen zu treffen oder das Geld der Bilderberger einzusacken. *hust*. Aber Politik wird von Menschen gemacht, darum ist politische Zusammenarbeit abhängig davon, eine posiitive menschliche Beziehung zu anderen aufzubauen. Das geht nicht immer mit einer Kamera oder einem Mikrofon vor sich.
Beispiel: Ich unterhalte mich regelmäßig mit ein paar meiner Freunde aus anderen Parteien über Gott und die Welt. Natürlich ist das auch Teil von Politik, aber es ist einer, bei dem Kameras und Mikros nichts zu suchen haben. Manchmal twittere ich Elemente daraus – oder eben auch nicht. Und das ist okay.
Genauso: Vor ein paar Monaten haben sich ein paar Piraten und ich mit Hans-Jürgen Papier getroffen. Es war ein gutes Treffen, aber es existiert ganz überwiegend nur in unseren Köpfen. Und das ist auch gut so, weil hier eher die menschliche als die fachliche Ebene im Vordergrund stand.
Versteht mich nicht falsch: Ich bin vom Grundsatz der Transparenz überzeugt: Ich will einen Staat, bei dem der Bürger jederzeit nachschauen kann, was er wo tut, wer sich wofür einsetzt, mit welchen Argumenten, wie Gesetze entstehen und wer daran mitwirkt, wo welches Geld hinfließt und ob das ganze effizient ist. Ich würde das institutionelle Transparenz nennen.
Von einigen wird Transparenz aber genutzt, als könnten sie daraus einen Anspruch ableiten, von jemandem jede gewünschte Information zu verlangen, bloß weil er Politiker ist oder etwas politisches tut. Das Institut der Transparenz verkommt damit von einem sinnvollen Prinzip zu einem Mittel der Diskreditierung, das häufig dann in Anschlag gebracht wird, wenn einem eine bestimmte Position nicht gefällt.
Transparenz ist genausowenig ein Recht darauf, jede gewünschte Information zu erhalten, wie Basisdemokratie dazu berechtigt, jederzeit überall mitzumischen.
Zum Mitmischen mal ein Beispiel: Ich kann einen Antrag schreiben indem ich ein leeres Pad twittere und mit jedem der kommt, etwas zusammenschreibe. Oder aber ich kann mir überlegen, was ist meine Sicht auf die Welt, meine Analyse der Dinge und wo will ich hin mit einem Antrag. Und dann entscheide ich, welche Leute will ich gerne dabei haben, weil ich sie für besonders geeignet, kompetent oder visionär an dieser Stelle halte. So arbeite bspw. ich an Anträgen und auch das ist okay. Denn am Ende treffen wir uns alle gleichberechtigt auf einer Plattform, sei es das Liquid Feedback oder ein Parteitag und streiten für unsere Sache.
Übrigens: Gerade mit der Basisdemokratie verhält es es sich ganz besonders absurd: Es wird immer von Basisdemokratie geredet, aber eben diese Basis verweigert sich bis heute, sich zwischen den Parteitagen irgendwie entscheidungserheblich zu organisieren. Fakt ist: Basisdemokratie findet bei den Piraten zweimal jährlich für ein Wochenende statt. Nicht weniger. Aber auch nicht mehr. Dazwischen entscheidet der Vorstand. Also liebe Piraten, solange ihr euch nicht organisiert, schiebt euch das Argument das ist nicht basisdemokratisch entschieden worden, sonst wo hin.
Denn hier passiert genau dasselbe wie bei der Transparenz: Der Vorstand tut das, wofür er gewählt wurde (getting things done). Aber wenn einem eine Sache nicht gefällt, dann wird die Keule Basisdemokratie gezogen. Anstatt zu sagen: Ich sehe das anders, ich hätte das gerne anders wird nicht weniger als die Illegitimität des Handelns proklamiert. Das ist nicht bloß unseriös und unfair, sondern vor allem auch die Verletzung eines demokratischen Grundkonsens:
Wer in einer demokratischen Entscheidungsfindung ernstgenommen werden will, der muss das Verfahren der Entscheidungsfindung auch dann akzeptieren, wenn es nicht zu seinem Wunsch-Ergebnis führt. Und wem das Verfahren generell nicht passt, der muss es generell ändern.
Was ist das Fazit dieses kleinen Rants? Das muss sich ändern. Denkt mehr nach. Bedankt euch mehr. Honoriert die Arbeit anderer. Argumentiert seriös, entlarvt und isoliert die Unseriösen. Vielleicht müssen wir das durch Rituale mehr unterstützen. Vielleicht brauchen wir eine Hall of Fame, in denen wir Piraten für ihre Leistung liebevoll verewigen.
Und daneben eine Gruft der unseriösen Argumente, für die schweigenden Mehrheit, die totalen Transparenz, die Wir sind bessere Menschen-Attitüde und für den Das war nicht basisdemokratisch-Reflex. Maybe.
DANKE! DANKE! DANKE! (sorry – heute ist Capslock-Day)
Das sind klare und wahre Worte. Daß Menschen, die plötzlich im Fokus der Öffentlichkeit stehen, mit Kritik konfrontiert werden, ist gut und richtig. Selbst wenn sie ungerechtfertigt ist. Schwachen Argumenten kann man auf Diskussionsebene entgegentreten.
Die Form der Auseinandersetzung, die derzeit gewählt wird, erinnert mich jedoch auffallend an die Diskussionen bei Fußballspielen: diejenigen, die nicht spielen, wissen genau Bescheid, und hätten es im Zweifelsfall sogar besser gemacht. Dabei vergessen sie, daß es vermutlich einen Grund hat, daß sie nicht selbst spielen, und stattdessen vor dem Fernseher sitzen. Gemütlich, auf dem Sofa.
Ich habe volle Sympathie für diejenigen, die sich vieles früher ganz anders vorgestellt haben. Aber Basisdemokratie ist mitleidslos für Ideale: die Mehrheit setzt sich durch. Und die Mehrheit ist nunmal selten extrem.
Ich möchte ein bekanntes Zitat einmal entfremden: wer nicht für die “Revolution” kämpft, hat kein Herz; wer ihr keine Zeit lässt, hat keinen Verstand.
Mit besten Grüßen an alle, die sich hier auf die eine oder andere Weise wiederfinden,
Stahlrabe
Hallo Benjamin,
Chapeau!
Hoffentlich gehst Du den Piraten nicht verloren in den nächsten 20 Jahren. Auch Deinen Europa-Antrag finde ich Klasse.
Wahrscheinlich gut gemeinter Beitrag, aber inhaltlich muss ich an den meisten Stellen entschieden widersprechen!
Ich finde diesen Blogbeitrag aus zwei Gründen auch besonders bedenklich: 1. weil der Autor sehr gewagte Thesen mit wenig Begründungen in der Argumentation aufstellt, von denen einige Thesen so klingen wie die Gegenposition zum Programm der Piratenpartei; 2. weil der Autor im Beitrag anderen Menschen leichtfertig “unseriöse” Argumention unterstellt.
These 1: Probleme bei Sozialem/Umgangstönen:
Hier stimme ich dem Autor zu: Es gibt, glaube ich auch, leider wirklich wenig positives Feedback für Leute, die viel Arbeit leisten, viele Beleidigungen, manchmal werden Argumente vermischt, um persönliche Agendas zu verfolgen. Eine Hall of Fame oder auch eine transparente, jedem leicht zugängliche Verbesserung der Debattenkultur sind vielleicht gute Ideen.
These 2: Zitat: “Politik bleibt Politik”
Diese These stellt der Autor ganz ohne Begründung auf. Kann sich Politik niemals weiterentwickeln? Und transparenter, demokratischer, und sogar etwas schneller ablaufen? Unabhängig davon finde ich es, die Erwartungen etwas herunterzuschrauben, um Enttäuschungen zu vermeiden, aber einen guten Ansatz.
These 3: Zitat: “Natürlich ist das auch Teil von Politik, aber es ist einer, bei dem Kameras und Mikros nichts zu suchen haben.”
Für diese Forderung nach Instransparenz in diesem Teil von Politik(!) werden drei “Argumente” geliefert:
1. Argument: Wir seien doch keine Bilderberger; unsere Geheimabsprachen sind gut und unproblematisch. Vertraut uns einfach blind.
2. Argument “positive menschliche Beziehung”: Das ist finde ich ein valides Argument; aber bezieht sich doch wohl eher auf persönliche Beziehungen und Privatsphäre, und hoffentlich nicht auf Politik, wo stellvertretend für Menschen Entscheidungen für und über sie besprochen und gefällt werden.
3. Argument: Die Transparenzforderung würde von manchen Leuten für persönliche Agendas missbraucht, deswegen sind alle Transparenzforderungen generell böse oder unter Verdacht zu stellen. WTF?
These 4: Zitat: “Transparenz ist genausowenig ein Recht darauf, jede gewünschte Information zu erhalten, wie Basisdemokratie dazu berechtigt, jederzeit überall mitzumischen.”
Doch, Transparenz und Basisdemokratie würden sehr wohl Rechte der Menschen bedeuten, und auf diese Rechte hätten sie dann Anspruch! Natürlich nicht auf “jede gewünschte Information” und nicht “jederzeit überall”, aber bei allen demokratischen Entscheidungsfindungsprozessen sehr wohl. Entweder ist diese Überspitzung des Autors von Transparenz und Basisdemokratie auf alles und jederzeit nur ein rhetorischer Trick, um keine Argumente liefern zu müssen; oder wir sind uns einer Meinung, dass Transparenz und Basisdemokratie sehr wohl Anspruchsrechte sind.
Transparenz und Basisdemokratie sind momentan noch nicht komplett umgesetzt; aber das Informationsfreiheitsgesetz gibt es z.B. jetzt schon. Und da steht bei Wikipedia “Das Gesetz gewährt jeder Person einen voraussetzungslosen Rechtsanspruch auf Zugang zu amtlichen Informationen von Bundesbehörden.” Das müsste den Autor dann ja schockieren.
Ein Blick in das Parteiprogramm der Piraten würde auch nicht schaden:
“Verengt sich also der Zugang zu Wissen auf einen kleinen Kreis von Nutznießern, so kommt es unweigerlich zu einer Ausbildung von Machtstrukturen, die wenige Personen, gesellschaftliche Organisationen oder staatliche Organe bevorzugt … Der Einblick in die Arbeit von Verwaltung und Politik auf allen Ebenen der staatlichen Ordnung ist daher ein fundamentales Bürgerrecht und muss zum Wohle der freiheitlichen Ordnung entsprechend garantiert, geschützt und durchgesetzt werden. … Insbesondere für eine Bewertung politischer Entscheidungsträger ist es unabdingbar, dass die Grundlagen politischer Entscheidungen transparent gemacht werden. … Jeder Bürger hat unabhängig von der Betroffenheit und ohne den Zwang zur Begründung das Recht auf allen Ebenen der staatlichen Ordnung, Einsicht in die Aktenvorgänge und die den jeweiligen Stellen zur Verfügung stehenden Informationen zu nehmen.”
Klar wird es hart, unser Programm real umzusetzen und in Verfahren zu fixieren; aber genau dafür treten wir ja an! Und wir sollten die Forderungen auch immer wiederholen und dadurch erneut selbstkritisch in unseren (Partei-)Alltag rufen!
+1
“Politik bedeutet, etwas als richtig zu erkennen und die nächsten 20 Jahre dasselbe zu erzählen, bis es sich durchsetzt.”
Das kann aber auch unbelehrbar, lernresistent oder dickköpfig bedeuten. Politik bedeutet eben genau das nicht. Diese Definition kann man evtl. auf Weltanschauungen anwenden aber in einer Welt in der sich die Umgebungsvariablen ständig ändern scheint mir diese Definition eher ein Rückschritt zu sein.
“Vor ein paar Monaten haben sich ein paar Piraten und ich mit Hans-Jürgen Papier getroffen.”
Ich finde dieses Beispiel nicht gelungen, denn Hr. Papier ist ehemaliger Präsident des Verfassungsgerichts und ist somit eher “unverdächtig”. Ihn als Beispiel zu nehmen ist für mich eine naive Idealisierung privater Kontakte von Politikern.
“…und mit etwas Glück einen TCP/IP-Anschluss fürs Gehirn. “</cite
Äh, hust. Dachte eigentlich das wir uns genau das nicht wünschen.
“20 Jahre sind eine Ewigkeit.”</cite
Nein sind sie nicht.
Dein Beitrag relativiert ganz klar den Wunsch nach Transparenz und zeigt eindringlich auf das die Kritik vieler zu diesem Thema eben nicht “unseriös” ist sondern dringend geboten und unbedingt verstärkt werden sollte.
Gruß
@netzhocker
@thecitizen_de: Ich denke, @crackpille hat schon recht, und z.T. schreibst Du das implizit auch: Transparenz ist das Recht auf Information, aber ‘Natürlich nicht auf “jede gewünschte Information” und nicht “jederzeit überall”’. Genau darum geht’s. Entscheidungsrelevante Informationen und Informationen, die die Daseinsvorsorge betreffen, müssen transparent sein. Aber nicht jede Information, z.B. Arbeitsverträge u.ä. Auch ein Politiker muss nicht über alles Rechenschaft ablegen. Er darf für sich behalten, wen (aus der eigenen Partei) er nicht leiden kann und mit wem (aus der anderen Partei) er gerne mal Bier trinkt. Und auch wenn sich zwei (oder mehr) Politiker zu ihrer eigenen Meinungsbildung unterhalten, dürfen sie selbst entscheiden, ob sie das streamen wollen oder nicht.
Politik bleibt Politik heißt, in der Politik muss man Menschen überzeugen, um etwas zu erreichen, in Deutschland ggf. die mehr als die Hälfte von >80M Menschen. Das dauert nun mal. Demokratie ist deshalb inhärent langsam, schneller geht’s nur, wenn man die Entscheidungswege verkürzt, d.h. weniger Menschen beteiligt. Die Effizienz war immer schon ein Hauptargument gegen Bürgerbeteiligung.
Die einzig akzeptable Beschleunigung ist eine Verbesserung der Informationskanäle und der Möglichkeiten der Meinungsbildung. Hier sind die Piraten stark. Aber trotzdem bleibt das Problem, dass man auch die überzeugen muss, die sich nicht für Politik interessieren. Und das kann die erwähnten 20 Jahre benötigen.
@Ungebeten:
Danke, du hast es verstanden. Und Politik besteht ja auch aus mehr als der reinen Entscheidung; eine demokratische Entscheidung muss schließlich möglichst informiert erfolgen und das bedeutet, es muss sich erst ein Bewusstsein für die Fragestellung entwickeln. Wie lange benötigen die Piraten um eine Position zu Dingen zu finden? Und wie lange braucht dann eine ganze Gesellschaft?
Wenn wir überzeugen wollen, dann dürfen wir nicht aus den Augen verlieren, dass wir eine kleine, elitäre Gruppe sind, die die Welt durch eine Brille betrachten, die bisher ganz unbekannt ist.
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Immer wenn vorher klar ist, um was geredet wird, um welche Themen man sich streitet, was das Ziel sein könnte, dann gibt es hinterher keine Diskussion um Transparenz. Wenn aber nur Ergebnisse bekannt werden, fragt sich ein jeder, wie sie zustande kamen und warum gerade so.
Ich bin der Meinung, daß innerparteiliche Transparenz so einfach sein kann, daß über das was passieren soll vorher auf vielen Kanälen – und nicht nur die Kanäle der “Initiierten” – informiert wird. Eine zu diesem Thema dann doch aufkommende Diskussion kann man immer auch nutzen und Arrrrgumente austauschen. Ein in den Brunnen gefallenes Kind wird man immer nur nass da herausziehen können.
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Hey,
Ich finde es immer wieder schön wie man sich dreht wenn man plötzlich in politischer Verantwortung ist. Früher wäre man in der Piratenpartei gesteinigt worden, wenn man solche Töne anschlägt. Jetzt wird man gelobt. Woraus resultiert das? Es resultiert schlichtweg aus der Realität. Ich kann keinem Abgeordneten zumuten ständig mit einem diktiergerät durch die Welt zu laufen und jederzeit jede Handlung nach außen zu tragen.
Und plötzlich merken die Piraten dass dieses jeder kann überall mitmachen sich super toll anhört aber wenn man es wirklich wörtlich umsetzt dann doch nicht geht. Seit neustem hört man immer mehr die Feststellung das auch die Abgeordneten selbst entscheiden müssen und sich nicht dem ständigen Diktat der Basis unterwerfen müssen. Irgendwann wird auch die Basis mitbekommen dass auch im Thema Mitbestimmung Mechanismen eingerichtet werden müssen. Das chaotische Vorgehen ala ich mache mal ein pad auf und schreibe mal was und irgendwie wird das schon funktioniert auch nicht. Mein Vorschlag war damals die basismitbestimmung über die Ags einheitlich zu organisieren. das würde auch die Zusammenarbeit zwischen Basis und Fraktion verbessern denn die Ansprechpartner der Fraktion sind ja im Zweifelsfall die Ags. Auch in dieser Zusammenarbeit müssen endlich einheitliche Mechanismen her.
Zu all dem sind viele Piraten nicht bereit. Es beschädigt ihrer Meinung nach den Gedanken der Basisdemokratie und Transparenz. Aber es wird kommen weil es kommen muss. Ohne diese Entwicklungen wird eine langfristige effektive Arbeit der Piraten in politischer Verantwortung nicht möglich sein.
Aber wenn diese Entwicklung eingetreten ist werden einige sicherlich die Frage stellen: was ändert uns denn jetzt noch von den anderen Parteien? Und ich hoffe dass die Piraten ihren größten Irrtum erkennen. Ihr macht gar nichts anders. Ihr seid nicht anders. Ihr macht nicht anders Politik. Liquid Feedback ist nicht die Revolution der Politik. Das einzige worin ihr euch langfristig hoffentlich von den anderen Parteien unterscheiden werdet ist in euren Überzeugungen.
Und das ist genau das was sein muss. Und wenn das erkannt ist dann kehrt eventuell auch der Respekt vor den politischen Gegnern zurück den ich mir von dem ein oder anderen Piraten wünschen würde.
Nach der gelben Karte über Twitter wieder auf dem Platz:
Werner Kleefeld: Basisdemokratie oder dann doch lieber nicht?
Zugegeben der Einstieg war hart, aber Verteidigung ist Verteidigung. Wer so auf die Basisdemokratie losgeht, muß die Möglichkeit in Betracht ziehen, auch mal unfair gestoppt zu werden. Sorry, war Reflex aus dem Bauch heraus und wirklich überzogen. Mußte aber erst mal nachschlagen, was Geflame ist. Dacht schon, ich hätte was in Brand gesteckt.
Hint: elaborierter Code und seine Wirkung
Zum Thema:
Noch einmal der Hinweis auf das grandiose Versagen der Grünen im Bereich der Basisdemokratie.
Das darf der Piratenpartei nicht passieren. BasisDemokratie ist Vision und Leitbild, aber keine Illusion.
Und vor allen Dingen kein Trick, Stimmen und Anhänger zu sammeln.
Der Parteienfeudalismus der BRD stinkt zum Himmel, weil eben die “repräsentative Demokratie” mit Präsenten lockt.
Wollen wir uns dort gemütlich niederlassen?
Die Piratenpartei hat m.E. die Werkzeuge zu liefern, die Basis zu ertüchtigen, direkte Demokratie auszuüben. That´s it.
Die Partei sollte nicht in die Falle tappen, sich nur im Parteiensystem die Honeurs zu holen.
“Draußen” warten Menschen, die ahnen, in welcher Schieflage die Politik ist.
Sind wir fähig, dort Hilfe zur Selbsthilfe zu gewähren, wenn wir nicht Vertrauen durch Transparenz gewinnen?
Sorry akzeptiert.
Das habe ich jetzt wiederum nachgeschlagen
Aber BTW (=by the way): Falls dir auch das Konzept der Meme unbekannt ist, empfehle ich dir ganz dringend, CRE121 Internet-Meme zu hören. Das eröffnet neue Denkwelten …
Jein. Das kommt jetzt drauf an, wie ich das lese. Ich bin – da kannst du dir sicher sein – nicht gegen Basisdemokratie. Die Frage ist aber, was Basisdemokratie ist:
Es gibt – nicht zu wenige – kleine Gruppen von Trollen (insbesondere im Forum/auf Mailinglisten), die das Argument “Aber die Basisdemokratie!” nutzen, um gezielt Stimmung gegen Entscheidungen von Personen machen, weil sie ihnen inhaltlich nicht passen. Und noch ein paar mehr, die in einem Reflex darauf anspringen.
Der Punkt ist: So etwas schädigt Basisdemokratie. Foren/ML geben keine Mehrheitsverhältnisse wieder; es entscheidet nicht die Mehrheit, sondern diejenigen, die es schaffen möglichst viel Rumgeschreie zu produzieren.
Das ist für Basisdemokratie gefährlich. Deshalb benötigen wir dringend eine Formalisierung eben dieser Basisdemokratie; mit einem Antrag, einem Verfahren und einem Ergebnis. Wenn du einmal erlebt hast, wie irgendein Thema auf einer ML breitgetreten wurde das du dachtest, die Partei ist gespalten und dann eine diesbzgl. Initiative im Liquid Feedback nichtmal das Quorum schafft, dann wird dir plötzlich bewusst, wie verzerrend sich eben dieses “Rumgeschreie” auswirkt.
D´accord.
Was hab ich schon Mailinglisten pausieren lassen, weils wirklich penetrant war.
Aber was ist mit LQFB?
Wir haben sie in Hessen vor ca. 2 Monaten gestartet. nun sagt mir unser Generalsek. vom Rheingau-Taunus-Kreis, daß bisher nur 5 von uns dabei sind !?!
Lass uns da Werbung machen, auch für ne eingeschränkte Delegation. Lieber sich selber schlau machen (s. meme
als auf nen “Experten” setzen.
Nur: Selber schlau machen funktioniert nur sehr begrenzt (zeitlich, geistig, interessemäßig); “Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Fresse halten” wiederum scheitert spieltheoretisch, weil derjenige gewinnt, der sich nicht daran hält. Deshalb Delegationen, die nicht selbst wahrgenommene Macht anhand von fachlicher Qualifikation oder sozialem Vertrauen verteilen.
Komme grad aus dem Mußtopf: habe mich eine Zeit lang von Piraten, Politik und so weiter komplett ferngehalten.
Aus Gründen.
Lese das also grad mache dem Camp (letztes Wochenende) und diversen Gesprächen auf demselben.
In der Sache wäre ich ja bei Dir: “das muss sich ändern”.
Dieser Satz könnte so etwas wie die Gründung der Piraten sein: dieses “so geht das nciht weiter, wie die politische Kaste das da betreibt”-Gefühl ist der Grundtenor, der zumindest mich zu den Piraten gebracht hat.
Und vermutlich auch viele andere.
Inzwischen sehe ich aber eine wichtige andere Frage auftauchen.
“Kann man das übberhaupt ändern?”.
Also: den festen und unverrückbaren Willen einmal unterstellt, der Mehrheit aller >30k Piraten in Deutschland (wobei ich idR. von den paar Berlinern imemr auf die anderen schliesse – ist nun mal mein Hauptumfeld gewesen) unterstellt, dass sie fest entschlossen ist, eine andere Politik zu machen.
Dieses “anders” kann ein simples Negieren all dessen sein, was bisher so lief.
Die “unkonventionelle” – also Konventionenn negierende – Kleinung einiger Berliner Abgeordneter geht für mich in diese Richtung.
So etwas ist nützlich!
Es kann Verkrustungen aufbrechen, kann dazu führen, dass eingefahrene Gleise verlassen werden – also: gut so.
Nützlich, aber nicht ausreichend.
Da muss mehr her.
Ich habe mich auf dem Camp durchaus überzeugen lassen, dass der Wille zu Verbesserung da ist, dass es auch Aktivität in dieser Richtung gibt.
– wird dann Frust generiert: es klappt irgendwie nicht.
Daraus – und aus der von Dir dargestellen Ungeduld der Jugend
Frustration -> operative Hektik
Frustration -> Schuldzuweisungen
=> hitziges getwitter.
Oder so.
Meine bange Frage: kann das überhaupt anders werden?
Denn was hier sichtbar wird sind vielfach menschliche Schwächen; also sehr verständliche Vorgänge.
Verständlich. Verzeihlich (jede Schwäche, die man in sich trägt sollte man tunlichst anderen auch verzeihen) oder unverzeihlich spielt ersteinmal keine Rolle.
Die Frage ist: kann in einer Partei, bei der Aktivität fluktuiert (durch Mitgliederfluktuation und Wechsel der Interessen) und die genannten Schwächen wirksam werden, eine andere Art der Politikgenerierung gelingen?
Denn: die Piraten sind in Berlin nicht für ihr Programm gewählt worden.
Das ist schade, aber es ist eine korrekte Beschreibung der Tatsachen: die 140k Wähler haben nicht alle das Programm gelesen.
Die wollen nicht neues Programm, die wollen eine andere Art, wie Politik generiert wird: weg mit der Verderbtheit ist der Wunsch.
(Oder ich bilde mir das nur ein, weil das meine persönliche Motivation für den Beitritt war, siehe oben).
Wenn es aber strukturell nicht möglich wäre, Politik auf andere Art zu betreiben – und die Fehlschläge der letzten 6 Monate deuten für mein Ermessen darauf hin – weil das System aus Presse und parlamentarisch-parteiischer Politik (wovon die Wirksamkeit der o.a. Schwächen ein Systemteil ist), dann …
Also: worauf ich hinahuswill: ja, es muss sich was ändern.
Aber ich bin bange, ob sich überhaupt etwas ändern _kann_, so wie das Problem nun einmal strukturiert ist: Menschen müssen etwas ändern, das wegen menschlicher Schwächen irgendwie vergurkt ist.
Und ich muss zugeben: ich habe inzwischen meinen Elan verloren, ich traue es den Piraten nicht (mehr) zu;
letzte Woche habe ich das noch als “Wachstumsschmerzen” bezeichnet und der Tatsache, dass die Partei immens schnell wächst und durch die ständig neu hinzukommenden verschiedene Dinge immer wieder neu aufgerollt werden müssen.
Ja, “müssen”, denn ein “basta” geht irgendwie nicht.
Die Bezeichung “Wachstumsschmerzen” drückt die Hoffnung aus, dass sich das irgendwann gibt, dass da irgendwann eine Stabilisierung eintritt.
Hoffentlich trügt diese Hoffnung nicht, aktuell tendiere ich eher zu “die Probleme sind systemimanent und nicht überwindbar”.
hase
hab dich verlinkt: demokratie Update
Die Hall of Fame und Gruft ist super.
Sowas könnte sich auch schön in einem Meinungsfindungstool integrieren. nice